
Wetzlarer Neue Zeitung - 19.06.2007
Theater fordert Kindersegen
Komödie "Kaninchen können's besser"
Auch wenn die rund 100 Zuschauer bei
der Premiere am Samstagabend gleich mehrfach aus den Wolken "begossen" wurden,
harrten sie trotzdem aus und amüsierten sich. Für die Bühnendekoration brauchte
es dabei keinen großen Aufwand. Das vorhandene Haus wird mit wackeligem Gerüst
zur Baustelle eines Bürgerhauses umfunktioniert und das daneben stehende
Gebäude, das meist als Schuppen dient, zum Gasthaus "Zum Goldenen Hirschen", in
dessen Biergarten die gesamte Handlung stattfindet.
Ein paar Sitzgruppen, Tischdecken und Blümchen - zünftige Dorfwirtschaft halt -
dazu ein Rednerpult und schon ist die dörfliche Idylle auf der Waldbühne fertig.
Wenn es denn so idyllisch wäre. Denn wie sich im Laufe des Stückes herausstellt,
sind darin alle sauer auf den Architekten, der sich nur sehr selten auf der
Baustelle blicken lässt, und Wirtin Helga Hesslich (Regisseurin Elge Kutscher)
sähe es sowieso lieber, wenn weiter in ihrem Gasthaus gefeiert würde. Als ihr
Mann ist Horst Wagner mit von der Partie. So mancher Bewohner des Dorfes findet
das ganze Theater um immer mehr eigentlich unnütze Neuerungen lästig. Bonbadener
feiern Premiere"Kaninchen können?s besser", so der Titel des Stückes von Heiner
Schnitzler, kommt vor allem auch deshalb gut an, weil die Bonbadener
Laienspieler in der Geschichte immer wieder auf ihren Heimatort anspielen und
sich das Publikum mit dem Geschehen auf der Freilichtbühne identifizieren kann.
Mit einer geschlossen guten Leistung der 18 Schauspieler zwischen sieben und 70
Jahren wird auch gezeigt, dass es im Leben oft anders kommt, als man denkt. Denn
der kleine dargestellte Ort vor der Gemeindereform hat bereits eine neue Schule,
ein Solarkraftwerk, ein Sport-Leistungszentrum und das multifunktionale
Gemeindezentrum ist im Bau. Dafür gab es jahrelang Fördergelder "von oben" und
das Dorf gedieh prächtig.
Doch dann werden "geschönte" Zahlen aufgedeckt. Der Bürgermeister hat für
Zuschüsse zu viele Einwohner angegeben. Ausgerechnet zum Dienstjubiläum kommt
das an den Tag und die Suche nach einer Lösung beginnt. "Kinder müssen her",
befindet der Gemeinde-Chef und schon wird ein Fest geplant, bei dem die
Dorfjugend mit Erotikfilmen und Striptease animiert werden soll, für Kindersegen
zu sorgen. Sogar eine Kopfprämie ist angedacht. Allerdings interessieren sich
die jungen Männer zunächst nur für die Formel eins und die Mädchen lassen sich
gar nicht blicken. Dafür geht bei den älteren Semestern gehörig die Post ab.
Denn Wirtin Helga arbeitet mit Viagra-Pillen und wer schlussendlich mit wem, wo
aufwacht, ist erstaunlich.