Freilichtbühne Bonbaden

   

Wetzlarer Neue Zeitung - 20.11.2006

Flucht des Pfarrers scheitert

Braunfels-Bonbaden.. "In der Sakristei liegt eine Leiche", schreit Haushälterin Trude, als sie das leere Büro des Pfarrers betritt. So nimmt die kriminalistische Komödie "Hochwürden auf der Flucht" in der Mehrzweckhalle Bonbaden ihren Lauf. Sichtlich verwirrt wirkt der Pfarrer (gespielt von Martin Riedel), der in Ruhe seine Sonntagspredigt schreiben möchte auf die mehr als 550 Zuschauer am Freitag- und Samstagabend. Die Verwicklungen um die Leiche stören den Pfarrer. Er will sie ignorieren und ist deshalb auf der Flucht vor seinen Gemeindemitgliedern.
Der Tod des Kirchengemeinderatsvorsitzenden Hermann Brüllmeier bewirkt bei Pfarrer, Messner Simon Brumm, Haushälterin Trude und Brüllmeiers Familie Erleichterung und Wut. Tochter Eva reagiert sauer und genervt.

Hat Brüllmeier doch seit seiner Wahl zum Vorsitzenden seinem Namen alle Ehre gemacht, und ist brüllend seinem Leitspruch gefolgt: "Ich schaff hier Ordnung", was er im kirchlichen Leben und in seinen eigenen vier Wänden umsetzen wollte. So steht ein hilflos blickender Pfarrer neben seinem Schreibtisch und beobachtet Moralapostel Brüllmeier (Thomas Schrenk) beim Schreiben der Sonntagspredigt.

Doch Trude (Sabine Martin) hat nur einen bewusstlosen Brüllmeier in der Sakristei gesehen. Dieser ist während eines heimlichen Treffens mit seiner Geliebten, der Gemeinderätin Marion Herr, umgefallen, und auf den Fliesen der Sakristei aufgeschlagen.

Die resolute Gemeinderätin (Angelika Hofmann) hat in dem Drei-Akter alles im Griff. Schaut sie in einem Moment liebevoll ihren Liebhaber an, kommandiert sie kurze Zeit später wie ihr Liebhaber die beiden Pfarrangestellten Trude und Simon herum. Während der eineinhalbstündigen Aufführung in der Mehrzweckhalle hat Brüllmeier-Darsteller Thomas Schrenk den meisten Körpereinsatz bewiesen. Vier Mal stürzt der in Anzughose und weinroter Weste gekleidete Mann lautstark auf den Boden im Büro des Pfarrers, und bleibt regungslos liegen.

Das Publikum reagiert begeistert, lacht und klatscht als der Versuch von Messner und Gemeinderätin misslingt, die vermeintliche Leiche vom Sofa hochzuheben, und dabei das Möbelstück samt Brüllmeier nach hinten umfällt.

Immer wieder bringen die flapsigen Sprüche des Messners Simon (Thomas Martin), der kein Blatt vor den Mund nimmt, die Zuschauer zum Kichern und Lachen. Manchmal wendet er sich mit kleinen Sticheleien auch schon mal direkt an das Publikum.

Zum dritten Mal hat die Freilichtbühne Bonbaden ihre Spielzeit in den Herbst verlängert. Zwar könnte der Schwank überall im deutschsprachigen Raum spielen, doch Regisseurin Silvia Schäfer-Lehnhausen hat durch Anspielungen auf die Amends Mühle in Neukirchen, von der Simon sein Ziegenfutter bezieht, und der Namensgleicheit des Tierarztes im Stück mit dem realen Tierarzt Lotz im Nachbarort Laufdorf dem Stück Lokalkolorit verliehen. Saison auf der Waldbühne beginnt am 9. Juni und dauert acht WochenDie Freilichtsaison der Bonbadener Waldbühne beginnt am 9. Juni und dauert acht Wochen. Die drei Stücke des Vereins Freilichtbühne Bonbaden werden eingerahmt von zwei internationalen Shows der Großstadt Entertainment Ltd. Konzert- und Künstleragentur. "Dancing Queen wird wie dieses Jahr erneut auf der Waldbühne zu sehen sein", erzählte Vereinsvorsitzender Volker Lehnhausen.