Freilichtbühne Bonbaden

   

Wetzlarer Neue Zeitung - 26.06.2005

Premiere: Freilichtbühne holt Zwerge in den Bonbadener Wald

Braunfels-Bonbaden. Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Und wer hat in meinem Bettchen geschlafen? Diese Fragen stellten sich zum Auftakt der Theatersaison in Bonbaden sieben lustige Gestalten mit bunten Mützen. Zur gelungenen Premiere der Bearbeitung des Grimm-Märchens "Schneewittchen und die sieben Zwerge" zog es über 300 kleine und große Besucher zur idyllisch gelegenen Freilichtbühne mitten im Forst. Auch heute um 14.30 Uhr ist das neue Stück der Laienschauspieler nach ersten Vorstellungen am Freitag und Samstag wieder zu sehen.

Den Anstoß zur Auswahl des Märchen habe schließlich Otto Waalkes Kinoerfolg "7 Zwerge - Männer allein im Wald" gegeben, so Thomas Schrenk. Von der Bearbeitung der Bühnenfassung durch Hermann Wanderscheck bis zur Aufführung des kindgerechten Stückes seien etwa acht Monate vergangen, berichtet der Regisseur.

"Die Leseproben haben schon im Februar begonnen, in der Summe haben wir etwa 23 Mal geprobt", nennt er Zahlen und ergänzt: "Die jüngsten Darsteller sind erst drei Jahre alt."

Zum Auftakt des Stückes begrüßte der Vorsitzende des Freilichtbühnenvereins, Volker Lehnhausen, und scherzte: "Lange haben wir überlegt mit wem die Rolle der bösen Stiefmutter besetzt werden kann und schließlich hatte Thomas, der Regisseur, die zündende Idee: Er schlug seine Frau Sybille vor."

Der alte Hausierer Florian, gespielt von Steffen Waidhas, bietet dieser zu Beginn des Stückes einen Zauberspiegel an, dem sie befiehlt, ihr immer die Wahrheit zu sagen. Und auf die bekannte Frage "Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" antwortet der Spiegel ehrlich mit dem Namen Schneewittchens, dargestellt von Lucie Würfel - das Schicksal der von der bösen Königin Barbara wie ein Dienstmädchen behandelten Stieftochter ist besiegelt.

Die Tiere des Waldes, Bibi, das große Eichhörnchen und Brummi, der große Bär, sind es in der Bühnenfassung, die das gejagte und von dem Jäger der Stiefmutter verschonte Königskind "an einen sicheren Ort" geleiten, zum Haus der sieben Zwerge Ruck, Zuck, Guck, Muck, Huck, Puck und Schnuck.

Inszenierung mit Humor

Fröhlich gestimmt kehren diese mit Spitzhacke über der Schulter und einem Lied auf den Lippen kurz darauf nach Hause zurück. Gute Laune, die sich bei der Premiere sogleich auf das Publikum übertrug. Fortwährend zum Spaßen aufgelegt war vor allen Dingen der kleine Schnuck, der die Zuschauer immer wieder zum Lachen brachte.

"Man nehme Krötenblut, die Blätter einer Distel und zerstampfe das ganze zu Puder. Diesen gebe man in ein Glas mit Tollkirschensaft, rühre um und tunke eine Hasenpfote ein." Mit diesen Worten braut die Königin Gift nach ihrem Zauberbuchrezept zusammen, der erste Mordversuch schlägt jedoch fehl.

Und obwohl die kleinen Zuschauer der Freilichtbühne das schöne Mädchen lautstark warnten - "Nein, lass sie nicht rein, die will dich vergiften" - fällt Schneewittchen auf ihre als alte Frau verkleidete Stiefmutter beim zweiten Anlauf herein und nimmt einen Bissen des vergifteten Apfels.

Aus ihrem tiefen Schlaf können die Zwerge ihr Schneewittchen diesmal nicht retten. In der Grimmschen Vorlage kann dies nur ein Königssohn. In der Bonbadener Inszenierung verwandelt sich überraschenderweise der alte Hausierer unter pyrotechnischem Goldregen in einen schönen Prinzen, der Schneewittchen zum Finale durch einen Kuss auf die Wange wieder zum Leben erweckt.

Effekte mit Feuerwerk

Seinen Dank sprach Volker Lehnhausen nicht nur den Schauspielern aus, sondern auch allen Helfern hinter den Kulissen. Das liebevoll gestaltete Bühnenbild, die vielen, passend eingestreuten Feuerwerkeffekte, die Tontechnik und auch die bunten Kostüme - all dies sorgt dafür, dass Volker Lehnhausen zuzustimmen ist, wenn er sagt: "Aus dem mittelhessischen Kulturkalender sind die Aufführungen der Freilichtbühne Bonbaden mittlerweile nicht mehr wegzudenken."