Freilichtbühne Bonbaden

   

Wetzlarer Neue Zeitung - 27.06.2005

Starke Wortgefechte mit Witz und Ironie

Braunfels-Bonbaden. "Lieber ledig, als erledigt?" Um diese Frage drehte sich alles bei der Premiere des gleichnamigen Abendstückes der Freilichtbühne Bonbaden. Die Laienschauspieler boten dem Publikum bei anhaltend schönem Wetter fast zwei Stunden beste Unterhaltung voller Ironie, Turbulenzen und vor allem starken Wortgefechten in Mundart.

Im Mittelpunkt des Stückes steht die scharfzüngige, aber von Herzen gute Elli Weber. Sie führt den Haushalt auf dem Maier-Bauernhof, erhält dafür jedoch nur wenig Dankbarkeit. Gern möchte sie Ehefrau des Hofbesitzers Peter Maier werden und so fädelt sie mit Hilfe ihrer Nachbarin einen Plan ein, der für allerlei Aufruhr sorgt.

Schauspielerin Elke Kutscher spielt die Rolle der Elli Weber brillant: schlagfertig, voller Sarkasmus gelingt es ihr, sich in der Männerwelt des Bauernhofes zu behaupten. Stets nachvollziehbar dargestellt, klagt sie anfangs über Ausbeuterei als Hausfrau und übt sich schließlich in Protest.

Diese Auflehnung stellt Kutscher mit einer Mischung aus Trotz, Eigenwillen und Gutmütigkeit dar. So gewinnt sie als Elli mit ihrer temperamentvollen, liebenswürdig-witzigen Art schnell die Herzen der Zuschauer, von denen zur ersten Vorstellung am Freitag allerdings nur rund 50 nach Bonbaden kamen - wie die Veranstalter vermuten aufgrund der starken Hessentagskonkurrenz.

Gleichzeitig Regisseur und Schauspieler spielt Friedhelm Watz als "Oberbauer" Peter Maier einen "alten Trotzkopf". Nachdem ihm seine Ehefrau davongelaufen ist, sind Frauen seiner Meinung nach nur für den Haushalt zu gebrauchen. Blind für die Gefühle von Elli trampelt er mit Machosprüchen, die bei der Premiere für Erheiterung sorgten, auf Ellis Seelenleben herum.

Auch sein Bruder Gustav Maier, dargestellt von Holger Wagner, brachte das Publikum gleich zu Beginn mit dem Zitat "Lieber ledig, als erledigt" zum spontanen Applaus. Das setzte sich während des ganzen Stückes fort, ständig war teils fröhliches, teils empörtes Lachen zu hören - das Publikum fühlte mit.

Von Anfang an zeichnet sich das Stück durch Dynamik aus. Richtig turbulent geht es zu, wenn Elli Weber ihren Plan umsetzt und eine Ersatz-Haushaltshilfe anheuert.

Anna-Maria Schmitthuber reist aus der Stadt an und erfreut die Besucher mit Auftritten nach dem Motto "Ich bin ja etwas viel besseres". Im Versuch Peter Maier zu becircen, stolziert Schauspielerin Angelika Hofmann mit piepsiger Stimme und Stöckelschuhen über den Bauernhof.

Flottes Mundwerk

Mit ihr angereist ist Tochter Lisa, eine "Punk-Rock-Braut". Ausgezeichnet mit unheimlich frech-flottem Mundwerk sorgt Darstellerin Katja Olbrich für das endgültige Chaos auf dem Bauernhof und dafür, dass im Publikum kaum ein Auge trocken blieb.

Aber auch andere Auftritte, etwa von Brigitte Martine als Tratschtante Erika Becker, bringen in Bonbaden zum Lachen. Perfekt ergänzt das Schauspielteam Italiener Salvatore (Thomas Martin), der trocken-ironisch daher kommt, mit seiner Frau Zita (Sabine Martin).

Die Feststellung von Gustav Maier - "hier geht es zu wie im Hühnerstall, dauernd rennt einer rum" - beschreibt das Stück treffend.

Den 14 Schauspielern unter Leitung von Regisseur Friedhelm Watz ist es gelungen ein mitreißendes wie modernes Werk einzustudieren und auf die Bühne zu bringen, das insbesondere durch starke Wortgefechte, aber auch eine kräftige Brise Sarkasmus glänzt.