
Wetzlarer Neue Zeitung - 18.07.2004
Räubertochter Ronja spielt sich schnell in die Herzen der Zuschauer
Den Sommerklumpen, den Ronja während der
Vorstellung bäckt, um die Sonnenstrahlen einzufangen, hatte sie wohl schon vor
der Aufführung vorbereitet. Denn zum ersten Mal in diesem Jahr traten die
Laiendarsteller der Freilichtbühne bei strahlendem Sonnenschein auf. Das freute
auch die knapp 500 Zuschauer, die ihre Regenschirme und Regenjacken zu Hause
lassen konnten.
Die 19 Schauspieler ließen die kleinen und großen Besucher eintauchen in eine
Welt voller gefährlicher Graugnome, komisch sprechender Rumpelwichte ("Wiesu tut
sie su?") und anderer Fantasiegestalten. Doch die mutige Räubertochter, die zum
ersten Mal die Welt außerhalb der väterlichen Burg entdeckt, lässt sich davon
nicht abschrecken.
Ohne erhobenen Zeigefinger lernen schon die kleinsten Zuschauer, sich für ihre
Überzeugungen einzusetzen. Besonders als Ronja ihren Vater vor den Kopf stößt,
weil sie kein Räuberhauptmann werden will. Es donnerte, blitzte und rauchte zwei
Stunden auf der Bühne im Wald - viele Spezialeffekte hatten das möglich gemacht.
Der Räuber Glatzenper, gespielt von Wolfgang Auriga, nahm im übertragenen Sinne
die Zuschauer bei der Hand, und fungierte als Erzähler der Geschichte. Er
stellte das Gewissen der beiden verfeindeten Räuberbanden - Mattisräuber und
Borkasippe - dar. Besonders die Wutausbrüche von Ronjas Vater Mattis, der zu
jeder Gelegenheit die Borkasippe "Zum Donnerdrummel" wünscht, brachte die
Zuschauer immer wieder zum lachen.
Tobias Hofmann als Mattis spielt einen Räuber, dem man einfach gerne haben muss.
Mattis kämpft mit den widersprüchlichsten Gefühlen. Einerseits will er als
gefährlicher Räuber gefürchtet werden, andererseits weint er sich in den Schlaf,
als seine Tochter beschließt im Wald zu leben. Anna Luisa Scholl spielt die
fröhliche und selbstbewusste Ronja, die ihr Leichtsinn oft in missliche
Situationen bringt.
Anna Luisa hatte sich schon bis zur Pause in die Herzen vieler Kinder gespielt.
Für den siebenjährigen Dennis und die sechsjährige Melissa stand nach etwa einer
Stunde fest: "Ronja gefällt uns am besten." Besonders aufmerksam hatte die
fünfjährige Lena die Hauptdarstellerin beobachtet: "Ich finde die Haare von
Ronja komisch, die leuchten oft orange und rot." Ob Lena wusste, dass die
schwarzen Haare von Ronja nur getönt waren, und Anna Luisa normalerweise blonde
Haare hat?
Eine gute Leistung haben auch Andreas Zufall und Carmen Rosenkranz vollbracht.
"Die beiden haben nur auf Grundlage der Liedtexte im Buch und der Melodien im
Spielfilm die Musik für das Schlaflied und die Räuberlieder komponiert",
erklärte die Regisseurin Heide Bähr. Sie zeigte sich am Ende der Vorstellung
sehr zufrieden. "Nach den verregneten ersten Wochen der Spielsaison waren die
Zuschauerreihen endlich mal gut besetzt."