Freilichtbühne Bonbaden

   

Wetzlarer Neue Zeitung - 18.07.2004

Räubertochter Ronja spielt sich schnell in die Herzen der Zuschauer

Braunfels-Bonbaden. (spe). In einer Gewitternacht wurde sie geboren, wie ein Irrwisch hüpfte sie über die Bühne - "Ronja, die Räubertochter". Das Theaterstück, das auf dem Buch von Astrid Lindgren basiert, hatte am Freitag Premiere auf der Freilichtbühne in Bonbaden. Heute (18. Juli) und an den nächsten beiden Wochenenden (Freitag bis Sonntag) stehen die 19 Kinder und Erwachsenen erneut auf der Bühne. Freitags beginnen die Vorstellungen jeweils um 16 Uhr, samstags und sonntags steht die mutige Ronja ab 14.30 Uhr auf der Freilichtbühne Braunfels-Bonbaden (Verlängerung Philippsteiner Weg). Karten kosten auf allen Plätzen 6,50 Euro, für Kinder unter 14 Jahren 4 Euro.

Den Sommerklumpen, den Ronja während der Vorstellung bäckt, um die Sonnenstrahlen einzufangen, hatte sie wohl schon vor der Aufführung vorbereitet. Denn zum ersten Mal in diesem Jahr traten die Laiendarsteller der Freilichtbühne bei strahlendem Sonnenschein auf. Das freute auch die knapp 500 Zuschauer, die ihre Regenschirme und Regenjacken zu Hause lassen konnten.

Die 19 Schauspieler ließen die kleinen und großen Besucher eintauchen in eine Welt voller gefährlicher Graugnome, komisch sprechender Rumpelwichte ("Wiesu tut sie su?") und anderer Fantasiegestalten. Doch die mutige Räubertochter, die zum ersten Mal die Welt außerhalb der väterlichen Burg entdeckt, lässt sich davon nicht abschrecken.

Ohne erhobenen Zeigefinger lernen schon die kleinsten Zuschauer, sich für ihre Überzeugungen einzusetzen. Besonders als Ronja ihren Vater vor den Kopf stößt, weil sie kein Räuberhauptmann werden will. Es donnerte, blitzte und rauchte zwei Stunden auf der Bühne im Wald - viele Spezialeffekte hatten das möglich gemacht.

Der Räuber Glatzenper, gespielt von Wolfgang Auriga, nahm im übertragenen Sinne die Zuschauer bei der Hand, und fungierte als Erzähler der Geschichte. Er stellte das Gewissen der beiden verfeindeten Räuberbanden - Mattisräuber und Borkasippe - dar. Besonders die Wutausbrüche von Ronjas Vater Mattis, der zu jeder Gelegenheit die Borkasippe "Zum Donnerdrummel" wünscht, brachte die Zuschauer immer wieder zum lachen.

Tobias Hofmann als Mattis spielt einen Räuber, dem man einfach gerne haben muss. Mattis kämpft mit den widersprüchlichsten Gefühlen. Einerseits will er als gefährlicher Räuber gefürchtet werden, andererseits weint er sich in den Schlaf, als seine Tochter beschließt im Wald zu leben. Anna Luisa Scholl spielt die fröhliche und selbstbewusste Ronja, die ihr Leichtsinn oft in missliche Situationen bringt.

Anna Luisa hatte sich schon bis zur Pause in die Herzen vieler Kinder gespielt. Für den siebenjährigen Dennis und die sechsjährige Melissa stand nach etwa einer Stunde fest: "Ronja gefällt uns am besten." Besonders aufmerksam hatte die fünfjährige Lena die Hauptdarstellerin beobachtet: "Ich finde die Haare von Ronja komisch, die leuchten oft orange und rot." Ob Lena wusste, dass die schwarzen Haare von Ronja nur getönt waren, und Anna Luisa normalerweise blonde Haare hat?

Eine gute Leistung haben auch Andreas Zufall und Carmen Rosenkranz vollbracht. "Die beiden haben nur auf Grundlage der Liedtexte im Buch und der Melodien im Spielfilm die Musik für das Schlaflied und die Räuberlieder komponiert", erklärte die Regisseurin Heide Bähr. Sie zeigte sich am Ende der Vorstellung sehr zufrieden. "Nach den verregneten ersten Wochen der Spielsaison waren die Zuschauerreihen endlich mal gut besetzt."