Freilichtbühne Bonbaden

   

Wetzlarer Neue Zeitung - 14.06.2002

Die Freilichtbühne Bonbaden startet mit "Urmel" in die Jubiläumssaison

(web). Nicht nur Theaterliebhabern sind sie längst ein Begriff - auch bei kulturell weniger interessierten Menschen hat sich das Können der Laienschauspieler von der Freilichtbühne Bonbaden bereits herumgesprochen. In diesem Jahr feiert das "Klein Hollywood im Taumersbachtal" sein 50-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um auf die turbulente Vergangenheit zurückzublicken und mit Schwung in die nächsten 50 Jahre zu starten - natürlich erneut mit einem voll bepackten Programm. Ab dem 21. Juni (Freitag) heißt es dann wieder: Bühne frei.
 

Braunfels-Bonbaden. Damit auch alles perfekt läuft, wird bereits mit Feuereifer geprobt.
Die Starallüren ihrer großen Vorbilder haben sie nicht nötig, obwohl viele der 3- bis 14-jährigen Kinder bereits alte Hasen im Schauspielgeschäft sind.

"Miau, miau" erklingt es aus rund 20 Kinderkehlen. Kein Zweifel: Hier wird ernst und gewissenhaft geprobt. Denn im Jubiläumsjahr müssen Text, Mimik und Kostüme noch ein bisschen perfekter sitzen als sonst.

Kinder werden zu Schauspielern

"Auf die Bühne!" Laut klatscht Elge Kutscher in die Hände. Sie ist Regisseurin des Kinderstücks Pinocchio, das in dieser Saison unter anderem auf dem Spielplan steht. Seit gut 13 Jahren arbeitet sie ehrenamtlich für den Verein Freilichtbühne Bonbaden.

Klar, dass sie selbst auch schon auf eine lange Schauspielkarriere zurückblicken kann. Mittlerweile hat sie aber ihr Faible für die Betreuung des Schauspielnachwuchses, sprich der Kindergruppe, entdeckt. "Viele der Kinder haben schulische Probleme oder sind verhaltensauffällig. Durch das Theaterspielen gewinnen sie an Selbstvertrauen", erklärt Kutscher.

Die rund 200 Mitglieder des Vereins verbindet die Liebe zur Schauspielerei. Ohne diese Motivation wäre die Freilichtbühne in so manchem Jahr bereits "abgesoffen" - im wahrsten Sinne des Wortes.

Oft schon stand das Vereinsheim bis zum Zapfhahn unter Wasser, Stürme oder andere Wetterkapriolen zerstörten die Bühne oder die Lichttechnik - doch die Laiendarsteller ließen sich nicht unterkriegen. Ihre Waldbühne im Stile eines griechischen Amphitheaters bauten sie immer wieder und meistens noch schöner als zuvor wieder auf.

Auch das Repertoire hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Lag anfangs der Schwerpunkt auf klassisch-schwerer Schauspielkost, wie beispielsweise Wilhelm Tell, ging man bald schon zu Heimatstücken wie etwa "Das Wirtshaus im Spessart" über.

Große Erfolge mit Mundartstücken

Den größten Erfolg aber haben die erwachsenen Schauspieler zurzeit mit den Mundartstücken. "Die Leute wollen unterhalten werden. Sie wollen sich hierher setzen und sich halb tot lachen", fasst die Vorsitzende des Vereins, Ursula Bodem, die Motivation der Zuschauer zusammen. Ihrer Meinung nach buchen die Leute eine Art "Wohlfühlpaket": Vor Beginn der Abendvorstellung gebe es Bratwurst und Getränke, dann schaue man sich das Stück an und bringt sich in Stimmung. "Da kann es dann schon mal ziemlich spät werden", sagt Bodem schmunzelnd.

Die Kindervorstellungen am Nachmittag gibt es erst seit 1986. Den Auftakt machte der Räuber Hotzenplotz - sehr zur Begeisterung der jugendlichen Zuschauer und Darsteller. Es folgten Pippi Langstrumpf, Momo, und auch die Abenteuer von Jim Knopf brachte man auf die Bühne. Natürlich mit einer echten zischenden und rauchenden Lokomotive.

Auch wenn die Proben manchmal schwierig zu koordinieren sind - immerhin haben alle Aktive noch ein Leben neben der Schauspielerei - blicken Elge Kutscher, Heide Bähr, Martina Waidhars, Ursula Bodem und alle Kinder, Techniker und Kostümnäherinnen optimistisch in die Zukunft. Ihre Freilichtbühne wird nicht untergehen - dafür werden sie schon sorgen.

 




Hintergrund

Die Freilichtbühne Bonbaden liegt am Ortsrand des Braunfelser Stadtteils (Anfahrt über Philippsteiner Weg) und hat rund 600 Sitzplätze. Im Jahr kommen bis zu 11 000 Zuschauer ins Taumersbachtal, um sich ein Stück der Laienschauspieler anzuschauen. In dieser Saison stehen insgesamt drei Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt am 21. Juni (Freitag) um 16 Uhr macht das Kinderstück "Urmel aus dem Eis", das insgesamt drei Wochen läuft. "Pinocchio" hat am 12. Juli um 16 Uhr Premiere. Für die Erwachsenen steht in dieser Saison das Mundartstück "Urlaub auf dem Bauernhof" auf dem Programm, Premiere ist am 22. Juni (Samstag). Saisonabschluss ist am 28. Juli um 19 Uhr. Die Kinderstücke beginnen jeweils um 16 Uhr beziehungsweise um 14.30 Uhr. Das Erwachsenenstück fängt um 19 Uhr an. Der Eintritt kostet auf allen Plätzen sechs Euro, Kinder bis 14 Jahre zahlen die Hälfte.