
Wetzlarer Neue Zeitung - 23.06.2002
Viel Vergnügen mit Urmel
"Die Schule fällt heute aus, öff, öff! Der
Professor schläft und ich muss putzen, öff, öff." Klar, dass sich Hausschwein
Wutz mit diesen Worten der Unterstützung der kleinen Zuschauer auf der randvoll
besetzten Publikumstribüne sicher sein konnte. Überhaupt war auffällig, wie gut
es den jugendlichen Laienschauspielern - viele nicht älter als die Theatergäste
- gelang, die rund 500 Augenpaare auf der Tribüne für die Handlung zu
begeistern. Da wurde gelacht, wenn die kleinen Pinguine, Wa-Wa Waran und Schusch
Schuschnabel den sauberberkeitsfanatischen Wutz ärgerten, da wurde das Urmel
lauthals begrüßt, als es aus dem Ei schlüpfte, da versuchte man Seele Fans
aufzuheitern und natürlich wurde mitgezittert, als der böse König Pumpernell auf
die Insel kam, um das Urmel zu jagen.
Obwohl dem Publikum die Geschichte von "Urmel aus dem Eis" aus der Augsburger
Puppenkiste größtenteils bekannt war, litt doch niemand unter Langeweile. Wie
auch? Hier wurde ein Theaterstück gezeigt, an dem man selbst - egal, ob drei
oder 12 Jahre alt - mitmachen konnte, ja sogar musste. Ohne die lauten Warnrufe
aus den Rängen, hätte der böse König doch das Urmel in seinem Versteck entdeckt!
Die schauspielerische Leistung, allen voran von Urmel Julia Forster, aber auch
von Sebastian Watz als König Pumpernell, von Anette Weller als Wutz und von all
den anderen Darstellern war grandios. Und über kleine Schwächen half das
Publikum schnell hinweg. Den Laienschauspielern unter Regie von Heide Bähr
gelang es, das anspruchsvolle Stück kindgerecht umzusetzen, ohne jedoch kindisch
zu wirken. Die Dialoge waren leicht verständlich und die teils selbst
komponierten Lieder kamen sehr gut herüber - auch wenn den Mikrofonen manchmal
die Nässe zu schaffen machte. Das Bühnenbild und die größtenteils selbst
genähten Kostüme waren fantasievoll und verzauberten das Taumersbachtal in
Bonbaden für zwei Stunden in eine Südsee-Insel mit sprechenden Tieren.
Am Ende erkannte sogar König Pumpernell, wie schön es auf Titiwu ist, so dass es
letztlich hieß: "Das haben wir gut gemacht, also gute Nacht".