Freilichtbühne Bonbaden

   

Wetzlarer Neue Zeitung - 24.06.2002

"Ruhiger" Urlaub auf dem Bauernhof mit Giftmischer, Punker und Landstreicherin

Braunfels-Bonbaden. (mhs). "Urlaub auf dem Bauernhof, das ist die beste Idee, die ich je hatte", freut sich Bäuerin Hanna (Heike Söhngen) und holt sich erstmals eine anspruchsvolle Gastfamilie aus der Stadt auf den Hof. Die ist allerdings "Besseres" gewöhnt und fällt, auf dem Land angekommen, zunächst einmal aus allen Wolken.

Dass die Idee aber wirklich gut ist und es auf dem Land viel zu erleben gibt, davon überzeugten sich rund 200 Besucher mehr als zwei Stunden lang bei der Theater-Premiere von "Urlaub auf dem Bauernhof". Die dafür verantwortliche Freilichtbühne Bonbaden feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.

Zucht und Ordnung verlangt vor allem die mit harter Hand regierende Bäuerin: Freundlichkeit und saubere (Unter)wäsche ist da beim Personal gefragt, was insbesondere Magd Lene (Elge Kutscher) schwer fällt, die "im Säustall net erimlaafe will, wej e Diva - fir dej Stadtaffe doh".

Schlafen auf Strohsäcken, nicht abschließbare Zimmertüren, kein fließendes Wasser (außer wenn es bei starkem Guss durch die Decke regnet), kein elektrisches Licht und kein WC (was issn das?) auf der Stube.

"Noch eine Nacht und ich sterbe", beschwert sich insbesondere die komfortverwöhnte Ehefrau Lotte (Brigitte Neumann). "Urig, wirklich urig" findet es anfangs nur Gatte und Wurstfabrikant Franz (Horst Wagner).

Ungemütlich für ihn wird es erst, als er einen 100 Euro-Schein auf der Stube verliert, Lene danach fragt und die sich keck für das "Trinkgeld" bedankt.

Sorgen macht den Gästen aus Wetzlar auch Tochter Moni (Ramona Jäger), die sich in den "Kakadu und Punker" Charly (Wolfgang Redling) verliebt hat.

"Giftmischer" Opa (Friedhelm Watz), von der Heilkraft seiner Kräuter überzeugt, schmiedet derweil ein Komplott mit Landstreicherin Trude (Heide Bähr), die im "grünen Salon" unter der Brücke wohnt. Ziel der Verschwörung ist es, Bäuerin Hanna zu überzeugen, den Opa nicht ins Altersheim zu stecken.

Knecht Martin (Günther Watz) und die prinzipientreue Lene ("Eich bleiwe Jungfrau") finden mit Hilfe von Opas Braukünsten, die einen Liebestrank für die von Martin begehrte Magd hervorbringen, doch noch zueinander: "Kriecht der Knecht ins Heu - sind es meistens zwei". Wenig später aber schon weiß die wieder nüchterne Lene von nichts mehr.

Tagträume, kleine Ferkeleien, Giftmischer oder Punker. Da wird es garantiert nicht langweilig zwischen Wohnstubb und Sautrog.

Das fanden auch Günter und Renate Koob aus Oberndorf, die seit mehr als 20 Jahren regelmäßig Gäste an der Freilichtbühne sind: "Die spielen immer gut und stecken viel Arbeit in die Organisation und Aufführung".

Bürgermeister Dieter Schmidt (CDU) hatte es sich zuvor nicht nehmen lassen, die 50. Festspielsaison zu eröffnen und dem Verein zu gratulieren: "Sie beherrschen die Schauspielkunst mit ihrer Gestik und Mimik perfekt und bereichern damit unser kulturelles Leben in Braunfels".

Die 85-seitige Jubiläumsfestschrift des Vereins ist zu den Aufführungen am Eingang gegen zwei Euro erhältlich. Weitere Spieltermine des Stücks: Bis einschließlich 28. Juli jeweils jeden Samstag und Sonntag ab 19 Uhr. Eintritt: Erwachsene: sechs Euro, Kinder: drei Euro. Informationen im Internet unter www.freilichtbuehne-bonbaden.de